Fachsprachprüfung Medizin

Ablauf der Fachsprachprüfung Medizin

Die Fachsprachprüfung Medizin läuft meistens als Einzelprüfung mit ca. 60 Minuten ab. Im Mittelpunkt steht eine simulierte Situation aus dem Krankenhausalltag. Meist besteht sie aus drei Teilen à ca. 20 Minuten: Arzt-Patienten-Gespräch, schriftliche Dokumentation und Arzt-Arzt-Gespräch. Je nach Bundesland/Ärztekammer kann es kleine Unterschiede geben.

1. Arzt-Patienten-Gespräch / Anamnese

Du bekommst einen simulierten Patientenfall. Eine Prüferin oder ein Prüfer spielt den Patienten.

Du musst:

  • den Patienten begrüßen
  • Beschwerden erfragen
  • Anamnese strukturiert erheben
  • Nachfragen stellen
  • Verdachtsdiagnose verständlich erklären
  • weiteres Vorgehen erklären
  • Rückfragen des Patienten beantworten

Wichtig: Hier sollst du nicht nur medizinisch korrekt, sondern vor allem patientenverständlich sprechen. Also nicht zu viele Fachbegriffe, sondern einfache Sprache:
„Bluthochdruck“ statt nur „arterielle Hypertonie“,
„Magenschleimhautentzündung“ statt nur „Gastritis“.

Typische Anamnese-Punkte:

  • aktuelle Beschwerden
  • Schmerzbeschreibung: Beginn, Dauer, Ort, Ausstrahlung, Stärke
  • Begleitsymptome
  • Vorerkrankungen
  • Operationen
  • Medikamente
  • Allergien
  • Familienanamnese
  • Sozialanamnese
  • Genussmittel: Rauchen, Alkohol, Drogen
  • ggf. gynäkologische/urologische Fragen

2. Schriftliche Dokumentation / Arztbrief

Danach musst du den Fall schriftlich dokumentieren. Häufig ist das ein Arztbrief, Anamnesebogen oder eine strukturierte Fallzusammenfassung. In manchen Kammern darfst du deine Notizen aus dem Patientengespräch verwenden; digitale Hilfsmittel sind in der Regel nicht erlaubt.

Typischer Aufbau:

Patient: Name, Alter, Geschlecht
Vorstellungsgrund: Warum kommt der Patient?
Aktuelle Anamnese: Beschwerden strukturiert beschreiben
Vorerkrankungen: bekannte Diagnosen
Medikamente: Dauermedikation
Allergien: bekannte Allergien/Unverträglichkeiten
Familienanamnese: relevante Erkrankungen in der Familie
Sozialanamnese: Beruf, Lebenssituation, Nikotin/Alkohol
Verdachtsdiagnose: z. B. V. a. Cholezystitis
Differenzialdiagnosen: andere mögliche Ursachen
Empfohlenes Vorgehen: Diagnostik und Therapie

Bewertet wird vor allem:

  • klare Struktur
  • richtige medizinische Fachsprache
  • verständliche schriftliche Formulierungen
  • Vollständigkeit der wichtigsten Informationen
  • keine groben sprachlichen Missverständnisse

3. Arzt-Arzt-Gespräch / Fallvorstellung

Im dritten Teil stellst du den Fall einem ärztlichen Kollegen oder Prüfer vor. Hier darf und sollst du medizinische Fachsprache benutzen.

Du sagst zum Beispiel:

„Ich möchte Ihnen Frau X, 54 Jahre alt, vorstellen. Sie stellte sich wegen seit gestern bestehender rechtsseitiger Oberbauchschmerzen vor. Die Schmerzen seien kolikartig, mit Ausstrahlung in den Rücken, begleitet von Übelkeit und subfebriler Temperatur.“

Danach kommen oft Rückfragen:

  • Was ist Ihre Verdachtsdiagnose?
  • Welche Differenzialdiagnosen kommen infrage?
  • Welche Diagnostik würden Sie veranlassen?
  • Welche Therapie schlagen Sie vor?
  • Können Sie dem Patienten bestimmte Fachbegriffe erklären?
  • Was bedeutet dieser Laborwert / diese Abkürzung?

Hier geht es um strukturierte Übergabe und fachsprachliche Sicherheit. Medizinisches Fachwissen wird nicht wie in der Kenntnisprüfung bewertet, aber die Kommunikation muss fachlich plausibel sein. Die Ärztekammer Baden-Württemberg weist ausdrücklich darauf hin, dass das medizinische Fachwissen selbst nicht Gegenstand der Bewertung ist; geprüft werden Hörverstehen sowie mündliche und schriftliche Ausdrucksfähigkeit auf C1-Fachsprachniveau.

Was Prüfer besonders beachten

Die häufigsten Fehler sind:

  • Patientengespräch zu fachsprachlich
  • wichtige Anamnese-Punkte vergessen
  • Arztbrief unstrukturiert
  • Fachbegriffe falsch verwendet
  • im Arzt-Arzt-Gespräch zu unklar oder zu lang
  • keine klare Verdachtsdiagnose
  • keine sinnvolle Diagnostik/Therapie genannt
  • Rückfragen nicht verstanden

Sehr wichtig

In der FSP musst du zwischen zwei Spracharten wechseln können:

Mit Patienten: einfach, ruhig, verständlich.
Mit Ärzten: fachlich, präzise, strukturiert.

Das ist der Kern der Prüfung. Nicht „viel Medizinwissen zeigen“, sondern: medizinische Information sprachlich sicher aufnehmen, dokumentieren und weitergeben.